Was bedeutet BPO? Diese Frage ist am einfachsten mit einem Hinweis darauf zu beantworten, dass die internen Prozesse eines Unternehmens sich nach “wertschöpfend” und “verwaltend” unterscheiden lassen. So ist der Kauf einer EDV-Anlage nebst Festanstellung der zum Betreiben notwendigen IT-Fachleute ein durchlaufender Posten ohne sichtbare Wertschöpfung. Die eingesetzen zehn Millionen Euro generieren dabei keine Erlöse in Höhe von zwölf Millionen. Der Verwaltungsaufwand gehört damit nicht zur viel zitierten “Kernkompetenz” des Unternehmens, während alle Tätigkeiten mit sichtbarer Wertschöpfung ihren Teil zum Betriebsergebnis und letzlich Nettogewinn beisteuern (“unternehmenskritische Prozesse”).
Welcher Betrieb generiert Gewinne aus seiner Kantine, welcher aus seinen angestellten Werkschutz-Leuten? Kein Wunder, dass diese Bereiche vielfach schon vor langer Zeit anderen Modellen Platz gemacht haben. Das komplette Leasinggeschäft basiert auf der selben Grundlage.
Oft selbstgeschriebe Software entpuppt sich heute als unüberwindlicher Hemmschuh in der Kooperation mit Geschäfstpartnern; Inkompatibilitäten der Hardware tun ihr übriges. Der Logik folgend dienen web-basierte Verknüpfungen als Plattform für ausgelagerte Prozesse, die der spezialisierte Dienstleister zum Teil mit dem halben Aufwand (manchmal sogar mit nur einem Drittel) bewerkstlligt *(). Entsprechend günstig wird der Prozess abgewickelt, womit natürlich die Produktiviät steigt.
- - - - - - - - - - *(Anmerkung:
Personalmanagement und -abrechnung ist eines der für BPO prädestinierten Felder. Sigurd Seifert von dem Personaldienstleister ADP beschereibt in einem Interview mit “Die Wirtschaftswoche” [34/2003] das Einsparpotenzial mit: “In der Regel erledigen wir den Job mit der Hälfte des Aufwandes vom Kunden, zum Teil sogar mit einem Drittel.”)
Es handelt sich also um eine evolutionäre Entwicklung, in der die globale Arbeitsteilung weiter voran getrieben wird. Die Fixkosten werden im Unternehmen dabei durch zugekaufte variable Kosten ersetzt, bei denen die erbrachte Leistung und nicht mehr das Vorhalten der kompletten Ressourcen bezahlt werden muss.
Der Trend zum BPO wird ohne Zweifel weiter gehen. Auf diese Weise steigt die Produktiviät, was auf den ersten Blick positiv klingt. Die Ersparnis ergibt sich zum großen Teil aus den effizienteren Strukturen des Dienstleisters, mit denen er die Aufgaben bei höherer Spezialisierung mit weniger Personal abwickelt. Für die heimische Wirtschaft erweist sich der effekt als besonders tragisch, wenn bei web-basierten Outsourcings die Arbeitsplätze an der Konsole des Servers entstehen, der jedoch in Indien installiert ist *().
- - - - - - - - - - *(Anmerkung:
So arbeiten einige deutsche Verlagsgruppen an Einkaufssoftware für Druckobjekte, bei denen die Software in Indien entwickelt wird, wobei die Verlage in der operativen Abwicklung per Internet direkt auf die dort installierten Server zurückgreifen.)
In den soziologischen Auswirkungen kommen wir bei der Hochrechnung dieses Trends zum gleichen Ergebnis wie bei anderen Modellen der Produktivitätssteigerung: Der Nutzen im individuellen Unternehmen führt in der kollektiven volkswirtschaftlichen Gesamtbilanz zu eingesparten Arbeitsplätzen. Wenn elf neu- oder ausgegründete Arbeitsplätze einem betriebsinternen Verlust von 20 Plätzen gegenüber steht, so bleibt nun mal ein gesamtwirtschaftlicher Arbeitsplatzverlust von neun Stellen.
Es bleibt dabei: Produktivitätserhöhung bedeutet einen zeitlich begrenzten Kostenvorsprung des Individualbetriebes bei einem globalen mittelfristigen Trend zur Überkapazität und zum Preisverfall.