Das heute im Umlauf befindliche und von einem Staatsmonopol herausgegebene Geld ist zu sehen als allgemeine Garantie zur Einlösung. Die im 19. Jahrhundert noch allgemein übliche Goldwährung war eine Warenwährung, wie sie genau so gut mit Alkohol oder Zigaretten hätte funktionieren können. Die Staaten garantierten hierbei, dass eine bestimmte Menge Gold gegen den umlaufenden Geldschein bei Vorlage (auf Sicht) eingetauscht wurde.
Dem zunehmenden Goldbedarf des Deutschen Reiches und Großbritanniens während der beginnenden Industrialisierung kam die Ausweitung der Goldproduktion von jährlich etwa 20 Tonnen (1840) auf 76,7 Tonnen (1850) und schließlich 189,7 Tonnen in den folgenden Jahren entgegen*(). Der Goldboom begann, als man 1848 auf den Bänken des Sacramento River Gold fand. Die Produktionsausweitung während des Kalifornischen Goldrausches war ein wesentlicher Faktor für die anfangs noch ausreichende, später auf 30% reduzierte Golddeckung der Geldsysteme. Man sollte annehmen, dass die Goldwährung ein "sicheres" und beliebtes Geldsystem war. Das dem nicht so war, zeigt die amerikanische Geldgeschichte.
- - - - - - - - - - *(Friedman, Milton: "A Program for Monetary Stability", New York: Fordham University Press, 1959)
Als die Vereinigten Staaten nach dem Bürgerkrieg 1879 wieder Goldzahlungen aufnahmen bestand dort die Goldwährung bis 1913. Es war bei weitem keine hundertprozentige Goldwährung, denn es existierte neben dem Papiergeld, das die Regierung herausgegeben hatte, eine andere Form. Privatbanken gaben staatlich kontrolliert den größten Anteil der zirkulierenden Geldmittel in Form von Depositen heraus. Das Gold machte nur zwischen zehn und zwanzig Prozent der Geldmenge aus. Der prozentuale Anteil änderte sich von Jahr zu Jahr. Die restlichen 80 bis 90 Prozent bestanden aus Silber, Kreditgeldern und Bankdepositen, die nicht durch Gold gedeckt waren.
Ende des 19. Jahrhunderts herrschte in den USA erhebliche Unzufriedenheit mit dem Goldstandard, was sich in dem Wahlkampf vor der Wahl von 1896 niederschlug. Die Diskussion um die Goldwährung war zum großen Teil für die Depression der frühen 1890er Jahre verantwortlich. Sie führte zu der weitverbreiteten Angst, die Vereinigten Staaten könnten sich vom Goldstandard trennen, und der Dollar würde damit im Vergleich mit anderen Währungen an Wert verlieren. Es kam zu einer Flucht aus dem Dollar und einem Kapitalfluß, der dann tatsächlich zu einer Deflation führte *().
- - - - - - - - - - *(Friedman, Milton: "A Program for Monetary Stability", New York: Fordham University Press, 1959)
Die US-Finanzkrisen in den Jahren 1873, 1890 und 1893 führten zu einer weitverbreiteten Forderung nach einer Bankreform. Durch die Panik von 1907, bei der sich die Banken gemeinsam weigerten, Depositen auf Sicht in Geld umzuwandeln, wurde die Unzufriedenheit mit dem monetären System so stark, dass man ein Einschreiten der Regierung verlangte. Der Kongreß setzte eine Nationale Geld-Kommission ein, deren Empfehlungen 1910 herausgegeben und in dem Federal Reserve Act (1913) angenommen wurden, was das Ende des Goldstandards in den USA bedeutete. In weiten Teilen der Welt trennten sich daraufhin weitere Staaten ebenfalls von der Goldwährung.
Die erwähnte "Scheindeckung" durch Gold zeigt die Notwendigkeit, zur Kreditdeckung nur noch prozentuale Anteile in Gold bereitzuhalten, womit die Abkehr von der Golddeckung begann. Milton Friedman nennt dies den fundamentalen Fehler einer Warenwährung. Der Damm brach vor dem Ersten Weltkrieg, als zur Kriegsfinanzierung Geld in Europa (und nicht nur in Deutschland) ohne Deckung gedruckt wurde.
Am 29. April 1911 kündigte in Deutschland die Reichsbank dem Reichsvizekanzler brieflich eine Aufhebung der Golddeckung an. Diese wurde dann tatsächlich am 31. Juli 1914 vollzogen *(). Als das Deutsche Reich offiziell die drohende Kriegsgefahr erklärte, wollten große Teile der Bevölkerung in Panik ihr Geld bei den Banken in Gold umtauschen. Mit der 1911 vorbereiteten Verordnung wurde dies verhindert. Im Nachhinein, und auch im Zusammenhang mit der Vereinnahmung des Goldschatzes im Berliner Juliusturm 1911 durch die Reichsbank, zeigt sich die Finanzierungsvorbereitung zum Ersten Weltkrieg.
Nach der heutigen Bedeutung ist Geld als allgemeines Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel seit dem 14. Jahrhundert in Umlauf, wenngleich es schon eine mehr als zweitausendjährige Geschichte in Form provinziell unterschiedlicher Edelmetall-Münzen hat. Inflationsangst ist von Karl dem Großen bekannt, der das Geldsystem seines Vaters Pippin übernahm, das dieser im Edikt von Vernon im Jahre 755 mit einem Silbergehalt von 1,24 Gramm pro Pfennig geschaffen hatte. Aus dieser Inflationsangst heraus erhöhte Karl der Große im Winter 793/94 den Münzfuß auf 1,7 Gramm Silber. Es war damit die erste geschichtlich bekannte Aufwertung einer Währung *().
- - - - - - - - - - *(Bickerich, Wolfram: "Die D-Mark", Rowohlt 1999)
Obwohl der Tauschhandel neben dem Münzumlauf auch weiterhin noch weit verbreitet war und sich im privaten Bereich auch noch Jahrhunderte halten sollte, gab es den Begriff der Mark in verschiedenen Provinzen Deutschlands bereits im 15. Jahrhundert. Der Reichstag zu Esslingen machte auf Betreiben von Kaiser Maximilian I. im Jahre 1524 die Kölner Mark zur Grundlage der ersten Reichsmünzordnung. Aus dieser konnten nun offizielle Wechselkurse abgeleitet werden, wobei eine Kölner Mark neunzehn Zwanzigstel der Troymark, elf Zwölftel der Nürnberger Mark, 152 holländische Engels oder 512 der süddeutschen Heller (nach der Prägestätte Schwäbisch-Hall benannt) entsprach.
Die zahlreichen Besitzer von Münzrechten versuchten auf dreierlei Weisen möglichst viel Gewinn aus der Prägerei zu schlagen:
* Der Münzmeister mußte den "Schlagschatz" ähnlich einer Pacht nach Abzug
seiner eigenen Kosten bar an den Münzherrn auszahlen.
* Von Zeit zu Zeit wurden durch "Münzverrufungen" Münzen zurückbeordert
und in minderwertigere Stücke umgetauscht.
* Die Verschlechterung des "Münzfußes", also des Verhältnisses Feingewicht
("Korn" als Edelmetall Gold oder Silber) zu Rauhgewicht ("Schrot" als Füllmetall, z.B. Kupfer).
Daher rührt auch die bekannte Redewendung "von rechtem Schrot und Korn".
Jede Verschlechterung des Münzfußes war eine Abwertung. Aus Profitgier oder kronischem Geldmangel der Herrscher gab es zwischen den teils recht kleinen Provinzen einen rechten Abwertungswettbewerb. Auf der anderen Seite wurden sogar verdeckte "Münzkriege" geführt, in denen fremde Münzen mit geringerem Edelmatallgehalt nachgemacht und in der Fremde eingetauscht wurden.
Ein Wesen der durch Gold gedeckten Währungen muss allerdings in aller Deutlichkeit hervorgehoben werden:
Die früher in der ganzen Welt verbreitete Golddeckung entsprach -ganz anders als heute- einer Weltwährung, nämlich jener in Gold. Heute haben wir de Facto drei Führungswährungen:
1. der US-Dollar (mit Abstand am bedeutendsten)
2. und 3. Euro und Yen.