Die Chaosmaschine Subvention

Es ist doch schön, wenn der Gutmensch sich kümmert und verbessert..., und regelt..., und reguliert... Ganz entgegen der Theorie der unvollkommenen Information (d.h. der Tatsache, dass wirklich rationales Handeln nur auf der Basis von vollkommener Information ablaufen könnte, die es in Wirklichkeit aufgrund der Komplexität aber nicht geben kann) versucht es der Mensch immer wieder. In kleinen Einheiten wie der Familie, wie in allen Skalenteilen bis hinauf zum Weltmaßstab wird eingegriffen mit gut gemeintem Reglement.

Schauen wir einmal hinein in einige wenige, dafür aber um so plastischere Beispiele, die uns die Bestsellerautoren Dirk Maxeiner und Michael Miersch so prächtig herausgearbeitet haben*(). Dazu zitieren wir Miersch aus seinem Zeitungsartikel (Die Welt, 14.9.2002):

“Der Tabakanbau wird mit Steuergeld gefördert, um die Bauern zu stützen. Anti-Tabak-Kampagnen werden gefördert, um die Raucher zu retten. Windkraft und Solarenergie werden gefördert, um das Klimazu schützen. Die Verstromung von Steinkohle wird gefördert, um dem Bergbau zu helfen. Wobei jenes Kohlendioxid in großer Menge frei wird, das Wind- und Sonnenenergie einsparen sollen. Auch das neue Stadion des FC Bayern München wird mit öffentlichen Mitteln gefördert, ebenso Publikationen der Globalisierungsgegner von Attac und die Verwandlung von Wein in Industriealkohol - aus welchem Grund auch immer: Willkommen in Absurdistan. Die deutsche Krankheit und die europäische Malaise haben einen Namen: Subventionen.”

- - - - - - - - - - *(Maxeiner, Dirk / Miersch, Michael: “Die Zukunft und ihre Feinde”, Eichborn Verlag, 2002)

Wenn man diesen Absatz von Miersch auf sich wirken lässt, so drängt sich unweigerlich das Bild von einem Autofahrer auf, der verzweifelt das Steuer in permanenten Gewaltaktionen nach ganz rechts und sofort wieder ganz nach links reißt, obwohl er geradeaus fahren möchte. Kein Wunder, wenn er dabei ins Schlingern gerät. Ach, wäre es doch nur ein allein fahrender Privatmann! Das Dumme ist nur, bei jeder Drehung am Steuer wird Geld aus der offenen Seitenscheibe geworfen, mal nach rechts, wo es sofort der Wind verweht, mal nach links. Und dieser Fahrer fährt leider auch keine Limousine, sondern einen Bus, vollgeladen mit allen Bürgern und einer kompletten Volkswirtschaft. Herzlichen Glückwunsch, an alle Länder dieser Erde, die so agieren!

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft kommt auf ein Subventionsvolumen von 156 Milliarden Euro, die in Deutschland aus den erwähnten Seitenfenstern entschwinden. Sie stammen aus Kassen der EU, von Bund, Ländern und Gemeinden. Man stelle sich einmal das darin schlummernde Einsparpotenzial vor! Miersch stellt fest, dass jeder EU-Bürger Fisch, Fleisch, Brot und Wein und vieles mehr nicht nur mit dem Ladenpreis, sondern zusätzlich über das Finanzamt bezahlt. Dieser Gedanke beschreibt klar, worum es wirklich geht, und was in der öffentlichen Diskussion gegenwärtig so unterbewertet erscheint.

Die wirtschaftliche Logik lässt uns erschaudern, wenn Maxeiner und Miersch der Wertschöpfung seitens der deutschen Agrarwirtschaft - es sind rund 7,5 Milliarden Euro - eine imposante Zahl gegenüberstellen: Die deutschen Bauern erhalten aus den Töpfen von Bund, Ländern und EU jährlich das doppelte! Wer sich in unserem Abschnitt Geld und Leistung umgeschaut hat, der versteht das Problem bestens.Nun leidet niemand unseren Ernährern das Einkommen, aber ein Preisgefüge, das Jahrzehnte vom Markt isoliert wird, kann sich nun einmal nicht nach dem Bedarf entwickeln. Eine Schere wird sich stets weiter öffnen, womit die unausweichlich notwendige Anpassung von Jahr zu Jahr schwieriger und für die Betroffenen schmerzhafter wird. Und die Betroffenen sind die Verbraucher und die Erzeuger gleichermaßen, denn weil die Signalwirkung des Marktes über Jahrzehnte ausblieb, produzierten die Landwirte immer höhere Überschüsse.

Und um die Weltdimension gleich mit zu behandeln, sei die Rechnung von Ökonomen und Biologen der Universitäten Cambridge und Sheffield im Jahr 1999 erwähnt, die die Weltsumme an Subventionen auf den Bereich 950 bis 1450 Milliarden US-Dollar eingrenzen. Miersch nennt dies sehr plastisch “perverses Geld”, das zu einer schleichenden Demontage der Marktwirtschaft und auch zu erheblichen ökonomischen wie ökologischen Folgekosten führt. Dieser Ausdruck ist absolut korrekt, weil es eben wirklich pervers ist, wenn sowohl der Tabakanbau subventioniert wird, als auch Anti-Tabak-Kampagnen. Und dabei sind sowohl dieses wie auch die anderen Beispiele des zitierten Absatzes nur die Spitze des Eisberges.

Es scheint an der Zeit zu sein, Subventionen grundsätzlich in Frage zu stellen. Ist es wirklich sinnvoll, Lohnnebenkosten mit Energiebesteuerung zu subventionieren? Eine korrekte Zuordnung von Kosten, auch von latenten ökologischen, mag durchaus probat sein. Nur sähen die Konsequenzen dann ganz anders aus, als das gefährliche Zerren am Steuerrad durch den Übereifer einer Regulierungswut. Auch an dieser Stelle sei auf “methodische Zielsetzung” und vorgeschaltete “Wirkungsrecherche” in unserem Spezialteil www.econo-my.de/Evolutorische Ökonomik hingewiesen. Subvention ist und bleibt eine Chaosmaschine, die Geld verbrennt, aber den ökonomischen Nutzen schuldig bleibt.