Konjunktur – Ein Rad wird gedreht

Eine optimistische Erwartung an die Zukunft entsteht zweifellos durch die Aussicht auf Stabilität, ein steigendes Einkommen, Sicherung günstiger Lebensumstände, Sozialabsicherung. Pessimismus und Konsumverzicht sind zu erwarten, wenn das Einkommen droht zu sinken oder ganz wegzufallen. An diese Erwartungshaltung ist auch der Investitionswille gekoppelt.

Dieser wiederum setzt voraus, dass Aussicht auf rentablen Rückfluß des eingesetzten Kapitals besteht. Fällt der Rückfluß geringer aus als die eingesetzte Summe, so wird Kapital vernichtet. Ein profitables Investment setzt das Erwirtschaften zunächst eines Mehrwertes, und in der Folge eines Überschusses voraus. Beide Begriffe klingen gleich, können aber nicht identisch sein. Denn er generierte Mehrwert könnte durchaus sofort nach seiner Entstehung in Form von Provisionen und Entgeld auf alle Beschäftigten verteilt werden. Er würde dabei unverzüglich in den Kostenblock eingegliedert.

Das Problem hierbei wäre der Erhalt des Produktivkapitals, der Anlagen und Maschinen. Wer sollte für die Amortisation und für Rücklagen zur Reinvestition sorgen, wenn nicht der Kapitalist? Die Beispiele der Planwirtschaften Rußlands und der DDR sind uns noch deutlich vor Augen. Der Profit ist der Überschuß einer Investition. In einem der folgenden Abschnitte werden wir feststellen, dass im Dienstleistungsbereich Überschüsse weniger aus Investitionen generiert werden, so dass insgesamt der Begriff Überschuß besser geeignet erscheint als Profit.

Aber zurück zur Konjunktur, die immer wieder durch Zinssenkungen angekurbelt werden soll. Dies wird nicht gelingen, solange die beiden Aspekten Investitionen und psychologisch bedingte Erwartungen nicht als positive Stimulanz hinzu treten. Sowohl Investitionen als auch der Verbrauch bedürfen des positiven Umfeldes, in dem der Wunsch nach Wohlergehen und Prosperität gedeiht.

Der eigentliche Ursprung der Konjunktur ist damit nicht erklärt. Solange der bäuerliche Handwerker lange vor der Einführung der Drei-Felder-Wirtschaft für sich und seine Familie Schuhwerk herstellte, Flachsfasern spann und verwebte, gab es ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Bedarf und Produktion. In jeglicher Art der Selbstversorgung entfällt der Begriff Angebot. Erst mit der Entkoppelung Bedarf-Handel-Produktion zerbricht die direkte Steuerung. Der Markt wird zur Regulierungsinstanz und der Preis darin zu einem Werkzeug. Witterungsbedingte Schwankungen in den Ernteerträgen hat es schon immer gegeben und natürlich gab es Märkte und Preisgestaltung schon vor der Antike. Konjunkturzyklen indes können durchaus als Folge der Arbeitsteilung angesehen werden. Sie resultieren aus mangelhafter Koordination zwischen Angebot und Nachfrage, wobei die Vorratswirtschaft sowohl auf der Produktions- wie auch auf der Verbrauchsseite und auf dem Handelsweg dazwischen Einfluß nimmt.

Eine eigene Rolle spielt die zeitliche Verzögerung bei dem Aufbau zusätzlicher Kapazitäten. Von der Planung bis zur Fertigstellung von Stahlwerken, Papiermaschinen und Produktionsstraßen für Videorecorder kann sich die Marktlage dramatisch verändert haben. Parallentwicklungen verschiedener Anbieter und die Kumulation derer Hochrechnungen führen nicht selten zu Überkapazitäten, die gleichzeitig in den Markt treten. Im ungünstigsten Fall führt dies zur Stillegung bereits vor der Fertigstellung. Eine bedauerliche Fehlallokation von Kapital.

Nobelpreisträger Milton Friedman betont die Notwendigkeit einer vollkommen freiwillige Teilnahme an der Arbeitsteilung und am Leistungsaustausch *(). Die freiwillige Kooperation in Erkenntnis der Vorteile der Arbeitsteilung ist die fruchtbare Basis für die Schaffung eines Mehrwertes bei minimiertem Einsatz.

- - - - - - - - - - *(Friedman, Milton: "Kapitalismus und Freiheit", Seewald Verlag 1971 und Ullstein 1984)

Die Arbeitsteilung bedeutet auf der einen Seite Spezialisierung, auf der anderen Seite Rationalisierung in Form von größerer Stückzahl, geringerer Stückkosten und Ressourcenschonung. Und die Rationalisierung beginnt bereits in den Höhlen unserer fiktiven Steinzeitmenschen. Mit der Einführung des Geldes als Pfand für Leistung wurden diese Leistungen gegenseitig verrechenbar, ja sogar speicherbar, indem das Geld mit dem Einlösungsversprechen verbunden war. Wie wir festgestellt haben, entspricht das Geld ja einer offenen Forderung.

Gleichzeitig wurde die Transaktion des Tauschhandels zeitlich in einzelne Aktionen zerlegt: in Einkauf, Verkauf und Bezahlung. Das Problem der Bewertung von Leistung, die verrechnet werden soll, stellt sich in besonderem Maße, wenn ein Mehrwert auf dem Wege der Ware/Dienstleistung zu berücksichtigen ist. Als Mittel der Bewertung dient die Markttechnik. Die Freiwilligkeit ist insofern bedeutend, als das Wesen der Markttechnik als Preisfindungsinstrument nur in dieser Weise korrekt funktionieren kann. Milton Friedman beschreibt dies als den wettbewerblich organisierten Kapitalismus, der in Monopolen und Oligopolen nicht einwandfrei funktioniert.

Der ewige Streit, wie die Konjunktur entfacht, belebt und gesteuert werden könne, basiert auf verschiedenen wirtschaftstheoretischen Ansätzen, die an anderer Stelle besprochen wurden. Nach Ströbele bezweifeln die Kritiker des Monetarismus den in dieser Theorie zugrunde gelegten Zusammenhang zwischen Geld und Sachaktiva (vor allem im Bereich dauerhafter Konsumgüter) und behaupten die Dominanz anderer (nicht monetärer) Faktoren als ausschlaggebend für die reale Nachfrage der Wirtschaftsteilnehmer (Erwartungshaltung, Motivation). Zitat: "Wenn der private Sektor nicht notwendig stabil ist, entscheiden in Rezessionen eher Kapazitätsauslastungsgrade und Lagerbestände der Unternehmen über die Investitionen als Zinsstrukturüberlegungen: Wenn die Rendite eines Investitionsprojektes wegen mangelnder erwarteter Nachfrage bei Null liegt, kann eine Geldmengenausweitung samt der resultierenden Zinssenkung wenig Einfluß auf die Investitionsentscheidung haben."

- - - - - - - - - - *(Ströbele, Wolfgang: "Inflation", R.Oldenbourg Verlag,1994)

Es ist also eher die Erwartungshaltung, welche die Investitionsbereitschaft steuert und weniger das Zinsniveau. Am Beispiel Japans haben wir in den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts gesehen, dass selbst ein Zinsniveau bei nahe Null kaum eine Belebung der Wirtschaft herbei führte, da nach wie vor erheblicher Deregulierungsbedarf in vielen Wirtschaftsbereichen bestand. John Maynard Keynes hat bereits vor 70 Jahren eine untere Grenze des Zinssatzes vermutet, unterhalb derer weitere Veränderungen wirkungslos bleiben.

Der Wirtschaftswissenschaftler Joseph A. Stiglitz (Columbia University of Economics, New York, und ehemaliger Chefvolkswirt der Weltbank) geht davon aus, dass Zinserhöhungen zur Dämpfung der heiß gelaufenen Konjunktur eher wirksam sind, als Zinssenkungen zur Belebung. Die Argumente sind einleuchtend. Noch höhere Kreditkosten (bei einem bereits hohen Niveau) für getätigte Investitionen belasten die Nettorendite der Unternehmen. Die Dämpfung folgt auch angesichts des eingeschränkten Geldvolumens. Der logische Umkehrschluß hierzu zielt auf die Konjunkturbelebung ab. Er ist allerdings deshalb unzulässig, weil die psychologischen Fakten mangelnde Zuversicht, Vertrauen und Konsum eben nicht vom Zinsniveau abhängen. Verbilligte Zinsen unterstützen erst dann, wenn der Investitionswille zurückgekehrt ist.

In dem anhaltend umstrittenen Thema Konjunktursteuerung wird mit den Werkzeugen Zinspolitik, Geldpolitik und Finanzpolitik gearbeitet. In den vorangegangenen Absätzen wurde bereits einiges über die Zinspolitik und deren Wirksamkeit gesagt. Während die Finanzpolitik etatmäßige Entscheidungen über den Haushalt, Neuverschuldung und Investitionsanteil zu treffen hat, versucht die Geldpolitik über die zur Verfügung gestellte Geldmenge die Konjunktur zu steuern.

Gerade die viel beachtete Geldmenge M3 *() zeigt eine Problematik in der Fluktuation zwischen Finanzmarkt und Kapitalanlage. In unsicheren Börsenzeiten wie 2001 wird ein erhebliches Volumen aus den Wertpapieren abgezogen und in Geldmarktfonds und als Guthaben “geparkt”. Damit schwillt die Geldmenge M3 an. Ein erhöhtes Volumen M3 gilt als Konjunktur belebendes Element. Nur gerade in den unsicheren Börsenzeiten ist die Investitionsneigung eher gering. Das mangelnde Vertrauen spricht damit gegen eine kurzfristige Besserung der Konjunktur.

Anmerkung:
M1 = Bargeld und Sichteinlagen (Noten, Münzen, Kontenguthaben, Kassenbestände der Banken)
M2 = M1 + Termineinlagen (bis 4 Jahre)
M3 = M1 + M2 + Spareinlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist

Der Konjunkturzyklus selbst wird durch verschiedene andere Zyklen hervorgerufen. Als problematisch erweisen sich hier unglückliche Überlagerungen. Wir werden dies am Beispiel der Innovationszyklen darlegen, wenngleich die Überlagerung von verschiedenen Bereichen (Branchen-, Produkt-, Konsum- und Investitionszyklen usw.) nicht minder problematisch sind.

Beschreibung der konjunkturellen Zyklizität

Die früheren Analysen der Konjunkturzyklen wurden durch die einsetzende Industrialisierung bestimmt. Deshalb wurde die logische Ursache besonders in der Investitionstätigkeit für Produktionsmittel vermutet. Gleichzeitig wurde das Element der Krise hervorgehoben, die schließlich in Krisentheorien sowohl strukturelle als auch investitionelle, sowie konsumtionelle und nicht zuletzt monetäre Ursachen haben kann.

Da wir im allgemeinen von einer “Konjunkturkrise“ reden, mag das Krisenszenario begründet sein. Dennoch assoziiert die Vorstellung des “Normalzustandes“ eine ungestört aufwärts gerichteten Konjunktur (im optimalen Fall mit permanenter Vollbeschäftigung), die unrealistisch ist. Die Krise gehört damit zur Normalität und begründet die Zyklizität der Wirtschaftsabläufe.

Exogene Ursachen (von außen beeinflußt) werden von endogenen (von innen, also aus der Wirtschaft heraus) unterschieden*().

*(Anmerkung:
Exogen:

Psychologische Konjunkturtheorien (z.B. Walter Adolf Jöhr,*1910)
...für sich gesehen unbedeutende Anlässe übertragen sich durch "Ansteckung" zu kummulativen Prozessen, zu massenpsychologischen Reaktionen.
Interventionistische Krisentheorien, (Klassiker, Neoklassiker, Monetaristen)
...Wirtschaftskrisen in Folge exogener Schocks, beziehungsweise verhängnisvoller Interventionen in den Wirtschaftsprozeß. Ihrer Ansicht nach ist jede Krise die Folge einer einmaligen Störung. Die wesentlichsten Störfaktoren sind der Staat und die Gewerkschaften.
Endogen:
Unterkonsumtionstheorien (James Maitland Lauderale (1759-1839), Thomas Robert Malthus (1766-1834), Simonde De Sismondi (1773-1842), Emil Lederer (1882-1939))
...mangelnder Konsum (aus div. Gründen) führt zu Krisen...
Monetäre Konjunkturtheorien (Carl Rodbertus-Jagetzow (1805-1875), George Hawtrey Knut Wicksell (1851-1926))
...Störungen im Geldkreislauf führen zu wirtschaftlichen Krisen.
Überinvestitionstheorien (Arthur Spiethoff (1883-1957), Albert Aftalion (1874-1956))
Gleichgewichtstheorien konnten sich nicht durchsetzen
Wachstumstheorien: (Harrod, Domar, Krelle, Robinson))

Schumpeter analysierte konjunkturelle Schwankungen anhand eines Gleichgewichtsmodells (“Stationäres Gleichgewicht“). Natürlich wußte er, dass dieses in der Praxis nie existieren würde, aber er benutzte es als Referenz für Abweichungen.

Die Merkmale des stationären Gleichgewichts bei Schumpeter sind:

1. Die Wirtschaft entwickelt sich nicht, sie reproduziert sich nur selbst.
2. Die Bevölkerungsgröße und der Altersaufbau der Bevölkerung sind konstant.
3. Die Produktionsfunktionen sind fest und verändern sich nicht.
4. Auf den Märkten der Produktionsfaktoren herrscht Gleichgewicht.
5. Es herrscht vollkommener Wettbewerb.

Schumpeter stellt als endogene Ursachen der Veränderung fest:

1. Geschmacksveränderungen,
2. Wachstum,
3. Innovationen.

Innovationen sind z.B.:
die Einführung neuer Produkte,
die Einführung von neuen Produktionsverfahren,
neue Organisationsformen,
die Erschließung von neuen Produktionsfaktoren und Hilfsquellen oder von neuen Märkten.

Als Innovation bezeichnet Schumpeter "jedes Andersmachen" in der Wirtschaft. Erfindungen sind keine Innovationen. Erst, wenn eine Erfindung als Neuerung in der Produktion eingesetzt wird, liegt eine Innovation vor.

Schumpeter geht davon aus, dass sich jeder Innovation Hemmnisse in den Weg stellen, so dass nur der wagemutige und dynamische Unternehmer die Fähigkeit zur Innovation hat. Fälschlicher Weise nimmt er an, dass ein innovativen Unternehmer einen neuen Betrieb gründet, was wirklich nicht zwingend ist.

In Schumpeters Modell wird der Konjunkturzyklus durch die Innovationen ausgelöst. Er geht von einem stationären Gleichgewicht aus und ergänzt dieses Modell durch drei Annahmen:

1. Alle Innovationen benötigen Zeit und Aufwand, bevor ihre neuen Produkte auf den Markt kommen.
2. Für jede Innovation wird ein neuer Betrieb gegründet.
3. Die Innovationen werden hervorgebracht durch einzelne Personen, nämlich durch die mutigen Unternehmer.

Das stationäre Gleichgewicht als Ausgangssituation wird plötzlich durch das Auftreten eines Innovationsschubes gestört. Alle Kapazitäten oder Produktionsfaktoren sind voll ausgelastet. Durch eine Innovation steigt die Nachfrage nach Investitionsgütern. Das bedeutet Abzug von Kapazitäten oder Produktionsfaktoren aus anderen Bereichen der Wirtschaft.

Die Unternehmer nehmen Kredite für ihre Innovationen auf, Geld, das dafür neu geschöpft wurde. Die Geldmenge erhöht sich, während die Unternehmer jetzt mit zusätzlicher Nachfrage auf den Markt kommen. Das Angebot auf dem Gütermarkt bleibt nach Schumpeter gleich, weil alle Kapazitäten ausgelastet sind.

Preiserhöhungen sind zuerst bei den Investitionsgütern die Folge. Die Löhne steigen erst mit einiger Verzögerung, wodurch sich zunächst mehr Gewinne als Verluste ergeben. Es werden vermehrt Investitions- und weniger Konsumgüter hergestellt. Das ist die Situation in der Aufschwungphase oder Prosperität.

Aus den hereinfließenden Gewinnen zahlen die innovativen Unternehmer ihre Schulden zurück, sobald die Innovationen produktionswirksam werden. Die alten Produkte sind gegenüber den neuen nicht mehr konkurrenzfähig. Sie werden verdrängt und Verluste ziehen Konkurse nach sich. Die Rezession hat begonnen. Damit beschreibt Schumpeter den Konjunkturzyklus zunächst nur mit zwei Phasen: Prosperität und Rezession. Eine Verschärfung der Situation sieht er in der "sekundären Welle", die durch Erwartungen entsteht. Der massive Rückgang der Investitionstätigkeit führt zu einer Negativ-Spirale. Damit ist Schumpeter recht nahe an heutigen Vorstellungen von der psychologischen Beeinflussung des Konsumverhaltens.

Wenn ein Betrieb in der Abwärtsspirale ausscheidet und sein Marktanteil vollständig an die Konkurrenten fällt, erfahren diese dadurch wieder eine Absatzsteigerung. Dies bremst den Abwärtstrend etwas ab. Die im Abschwung sinkenden Preise halten den Fall der Realeinkommen auf. So endet nach Schumpeter die Depression. Die vierte Phase, die Wiederbelebung oder Erholung, führt zurück zum Gleichgewicht, das auf einem höheren Niveau liegt als das Gleichgewicht am Anfang des Zyklus.

Für Keynes ist eines der wichtigsten Merkmale, dass bei Vollbeschäftigung nicht logisch zwingend ein positiver Zinssatz existiert, der Investitionen und Ersparnisse in Übereinstimmung bringt, sondern die Angleichung durch Kontraktion des Einkommens erfolgen kann. Einkommenseinbußen und Kaufkraftverlust sind damit der Schwerpunkt der Krise, so dass Keynes staatliche Intervention als Notwendigkeit ableitet. Er sieht eine Heftigkeit im Kehrpunkt der Prosperität und dagegen nur eine langsam ablaufende Wende im Konjunkturtal*().

*("der Tatsache, dass die Ablösung einer Aufwärts- durch eine Abwärtsneigung oft plötzlich und heftig eintritt, während es in der Regel keinen solchen scharfen Wendepunkt gibt, wenn eine Abwärts- durch eine Aufwärtsneigung abgelöst wird.")

Die wesentliche Ursache für die zyklischen Krisen im Zeitalter der industriellen Produktion sieht Keynes in den Schwankungen der Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals*(). Im Endeffekt vergleicht Keynes die erwartete Rendite des eingesetzten Kapitals mit den gängigen Marktzinsen und grenzt sich damit von allen Konjunkturtheorien ab, welche die zyklischen Schwankungen aus rein monetären Ursachen ableiten. Auch bei Keynes fließt also eine Erwartungshaltung, nämlich an die Rendite, in die Analyse ein. Ferner stellt er Marktsättigung in Aussicht.

*(Keynes, “Allgemeine Theorien“: "Ich definiere die Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals als jenem Diskontsatz gleich, der den gegenwärtigen Wert der Reihe von Jahresrenten, die aus dem Kapitalwert während seines Bestandes erwartet werden, genau gleich seinem Angebotspreis machen würde."
Und:
"Die Enttäuschung kommt, weil plötzlich Zweifel in die Zuverlässigkeit des voraussichtlichen Erträgnisses aufsteigen, vielleicht, weil das laufende Erträgnis mit der steten Zunahme des Bestandes an neu erzeugten dauerhaften Gütern Anzeichen einer Abnahme aufweist. Wenn von den laufenden Erzeugungskosten angenommen wird, dass sie höher sind, als sie später sein werden, wird dies ein weiterer Grund für ein Fallen der Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals sein. Zweifel, einmal begonnen, breiten sich rasch aus.")

Für die Beschreibung von Konjunkturzyklen spielen Akkumulations- und Konsumentscheidungen sowie Investitionsbewegungen die entscheidende Rolle. Sie generieren durch ihre Abhängigkeit einen Zyklus, der sich ständig aus sich selbst heraus reproduziert.

Eine Voraussetzung für einen neuen Aufschwung liegt in der vorausgegangenen Krise. In ihr sind Realinvestitionen auf ein Minimum reduziert worden. Es fand zudem eine weitreichende Kapitalentwertung beziehungsweise Kapitalvernichtung statt. Die Phase der Stagnation ist durch eine gewisse Ruhe gekennzeichnet. Investitionen werden weiterhin kaum vorgenommen und die Kapitalvernichtung ist zum Stillstand gekommen.

Eine Belebung wird erst ermöglicht durch die Kapitalentwertung und -vernichtung in der vorangegangenen Abschwungphase, sowie durch die Räumung der Läger. Gleichzeitig wird der Aufschwung durch niedrige Löhne, den Preisverfall von Investitionsgütern und durch ein hohes Geldangebot mit niedrigem Zinsniveau gefördert. Ein Nachfragestoß durch Ersatzinvestitionen, die gleichzeitig zu Rationalisierungsinvestitionen werden, leitet den Belebungsprozeß ein. Der Grund liegt im Moralischen Verschleiß*(), den wir nach heutigem Verständnis als Rationalisierungszwang (ein verschärfter Wettbewerb durch die vorangegangene Krise) beschreiben.

*(Mit Moralischem Verschleiß beschreibt Marx das Faktum, dass technologisch voll funktionsfähige ältere Maschinerie durch den Einsatz wirkungsfähigerer Maschinen im Vergleich mit der Konkurrenz entwertet werden. Dies in besonderem Maße bei stagnierendem Absatz. Den M.V. unterscheidet Marx von der Entwertung durch Abnutzung oder Unverkäuflichkeit der produzierten Waren)

Die Intensität des Anstiegs wird durch die zwischenzeitlichen Innovationen beeinflußt, die den Rahmen für weitere Möglichkeiten bilden. Die im Abschwung geräumten Läger bieten durch erneuten Aufbau Potenzial zur Deckung eines Nachholbedarfs. Dies führt zum erneuten Anstieg der Gewinne.

In der Anstiegsphase kommt es zu einer weiteren, über die vorangegangenen Phasen hinaus gehende Vernichtung von Arbeitsplätzen. Dies ist eine Folge der allgemeinen Rationalisierungsbemühungen zur Bewältigung der Krise. In diesem Vorgang wird Produktivkapital ersetzt, Kapazitäten erneut ausgelastet. Maschinenbauer und Zulieferer (nicht nur für Produktion, sondern auch zur Ausstattung von Dienstleistern) sind Profiteure der frühen Phase. Sobald diese an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, werden auf Grund der positiven Erwartungen Erweiterungsinvestitionen getätigt. Damit geht die Phase der Belebung in die der Prosperität über.

Erweiterungsinvestitionen führen im Dienstleistungsgewerbe zu einem noch stärkeren zusätzlichen Bedarf an Arbeitskräften als in der Güterproduktion. Die Belebung auf dem Arbeitsmarkt führt zur Erhöhung der gesamtwirtschaftlichen Lohnsumme, womit neben allen psychologischen Einflüssen der Konsum angeregt wird. Auch in diesem Bereich werden nun nachfrageinduzierte Erweiterungsinvestitionen getätigt. Kreditexpansion beschleunigt den Aufschwung.

Der beschriebene Investitionsstoß und der angeregte Konsum führt zu einer Erhöhung des Sozialproduktes, was zusätzliche Investitionen anstößt. Die Wirtschaftswissenschaft belegt (mit der sogenannten Multiplikator- und Akzelleratoranalyse), dass die ausgelöste Investitionsgüterproduktion ein Vielfaches der Sozialproduktänderung beträgt. Je stärker die Akkumulation ausfällt, desto mehr wird akkumuliert. Je mehr akkumuliert wird, desto stärker steigt der gesamtgesellschaftliche Profit (Witwenkrug-Effekt).

Wenn das Wachstum der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage nachlässt und damit die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfungsrate nicht mehr ausreicht, um die Investitionsgüterindustrie auch weiterhin mit auskömmlichen Aufträgen auszulasten, gleitet die Lage von der Prosperität in die Überproduktion. Nach der Erneuerung der Maschinen (Umwälzung der Produktionsmittel) fallen Ersatz- und Rationalisierungsinvestitionen weg. Die Kapazitäten der Investitionsgüterindustrie können nur noch durch Erweiterungsinvestitionen alimentiert werden. Dies bedeutet, dass der weitere Wachstumsprozeß allein durch Erweiterungsinvestitionen getragen werden muß.

Wenn diese den Ausfall nicht kompensieren, wird ein Nachlassen der Investitionsgüternachfrage zwingend. Investitionsprozesse benötigen Zeit. Die im Cluster auftretende Investitionsgüternachfrage in den Phasen des Aufschwungs und der Prosperität hat ohne große Zeitverzögerung Profit- und Einkommenseffekte. Die Kapazitäten werden aber erst allmählich erweitert (time-lags). Je stärker der Investitionsstoß zu Beginn des Zyklus war, desto größer ist später der Nachfrageausfall. (Im Innovationszyklus Regression zum Mittelwert.)

Was hier im zyklischen Zusammenhang für die Investitionsgüter zum Ausdruck kommt, kann parallel ebenso für die Konsumgüterindustrie Anwendung finden. Die Überproduktion gehört zu den Störungen des Reproduktionsprozesses.

Nach der aktuellen Wirtschaftslehre ergibt sich die Überproduktion von Produktionsmitteln in geldgesteuerten Ökonomien durch:

a) die “falschen“ Signale seitens des Marktes
b) die time-lags, und
c) die Anarchie der Produktion.

Unter den “falschen“ Signale des Marktes sind dabei die Kapazitätsauslastung mit den dadurch induzierten übersteigerten Erwartungen (nur scheinbare Aussichten) zu verstehen. Die “time-lags“ sind unvermeidbare Zeitverzögerungen. Die Anarchie der Produktion kann mit der unkoordinierten und individuell begründeten Handlungsweise der Wirtschaftssubjekte beschrieben werden.

Während der Überproduktion entstehen Ungleichgewichte zwischen Produktion und Nachfrage bei Investitionsgütern. Der Zirkulationsprozess wird dadurch zunächst verdeckt. Die sinkende Nachfrage führt zum Aufbau von Lägern. Da die Lagerhaltung Geld kostet und Liquidität bindet, führt dies zum weiteren Sinken der Profitrate bei den Investitionsgütern. Der Mangel an Liquidität führt nun zu sinkender Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes. Da die Unternehmen gezwungen sind, verstärkt Kredite zu hohen Zinsen aufzunehmen, werden die Profite zusätzlich gemindert. Der Teufelskreis sinkender Profite mündet in Illiquiditäten und Konkursen.

Der Mangel an Liquidität und die Kosten der Lagerhaltung zwingt zum Verkauf der Waren unter ihrem Wert, die Preise sinken. Man kann diesen Prozeß als Entwertung des Warenkapitals bezeichnen. Der Abschwung hat begonnen und mit ihm ein Kontraktionsprozeß.

Parallel dazu führen Kapazitätsstillegungen oder -pausen zur Einschränkung der Produktion womit die Fixkosten steigen und die Profitrate weiter sinkt. Investitionen werden verschoben, ausgesetzt, gekürzt. Arbeitskräfte werden entlassen, die Löhne sinken. In der Folge sinkt der Konsum. Damit wird auch der Konsumbereich voll von der Krise erfasst. In dem sich selbst verstärkenden Abschwung werden Teile des zuvor akkumulierten Kapitals entwertet oder ganz vernichtet.

Als Auffangnetz in der Schrumpfung fungiert die Konsumgüternachfrage. Im Gegensatz zu der Investitionsgüternachfrage kann sie trotz steigender Arbeitslosigkeit und sinkender Löhne nicht beliebig fallen. Die Bürger müssen versorgt werden.

Wenn nun die Kapitalvernichtung soweit fortgeschritten ist, dass der Mindestkonsum durch die verbliebenen Konsumgüterproduzenten gedeckt wird, tritt die Wirtschaft in einen Zustand der Ruhe oder der Stagnation auf einem niedrigen Niveau.

Die Unterkonsumtionstheorien gehen dagegen davon aus, dass die Krise ihren Ausgangspunkt in der Überproduktion von Konsumgütern hat. Wenn wir uns Innovationszyklen ansehen, so steht außer Frage, dass diese in der Ernüchterungsphase in Überkapazitäten münden. Paul Sweezy begründet das Entstehen einer allgemeinen Nachfragelücke mit einer Disproportionalität zwischen dem Wachstum der Nachfrage nach Konsumgütern und dem Wachstum der Kapazität zur Konsumgüterherstellung, was im Umkehrschluß ebenfalls auf Überkapazitäten hinaus läuft.

Der psychologische Einfluss von Konsumverweigerung war nicht nur in der “japanischen Krise” der 90er Jahre festzustellen. Auch nach Einführung des Bar-Euro Anfang 2002 wurde die sehnlichst erwartete konjunkturelle Erholung dadurch verzögert. Die Auswirkungen hat uns das A-B-C-Modell des Geldumlaufes*() vor Augen geführt. Die Konsumenten-Psychologie wurde damit zusammen mit dem Kaufkraft-Faktor als einer der stärksten Parameter für Konjunktuzyklen bestätigt.

- - - - - - - *(www.econo-my.de/Wirtschaftswissen/Geldumlauf,2002)

Ein psychologisch begründeter, nachfrageorientierter Regelkreis (dessen Beginn sich besonders im Euro-Preis-Schock des Jahres 2002 niedergeschlagen hat) lautet:

  • Rezession
  • Sparsamkeit = Konsumverzicht
    (viele kleine Tropfen, die dem Marktvolumen vorenthalten werden,
    verdichten sich zu einer kritischen Masse)
  • Aufbau von finanziellen Reserven der Konsumenten durch
    Konsumverzicht (Vorsorge)
  • Wendepunkt in der Erwartungshaltung
  • Nachholbedarf
    (viele kleine Tropfen, die in den Markt strömen verdichten sich
    zu einem Nacjhfrageschub)
  • Beginn eines neuen Konjunkturzyklus

Innovationszyklus

:


Innovationen haben stets Einfluß auf die beschriebene Erwartungshaltung. Phantasien werden geweckt und in den rosigsten Farben ausgemalt. So haben wir es 1999/2000 im Internet-Hype erlebt. Die Psychologie ist aber nur ein Teil. Schlimmere Auswirkungen haben die Investitionen, die auf dieser Basis getätigt werden. Die Innovationen erzeugen Zulieferungen und Vorleistungen. Sie sind damit Motor der Konjunktur und erzeugen für eine Weile Wachstum. Die zeitliche Einschränkung wird sowohl durch den Ablauf der Innovationen als auch ihre zu unterscheidende Qualität, auf die wir später eingehen, notwendig.

Zu Beginn muß in Vorbereitung (sowohl Entwicklung wie auch Markteinführung) investiert werden. Es wird eine Produktion aufgebaut (sofern es sich um ein Produkt handelt) oder eine Infrastruktur geschaffen (für eine Dienstleistung). Der Produktion müssen die Verkäufe folgen, die zu Auslastung und Erweiterung der Kapazität führen. Die Konkurrenzsituation wollen wir hier nicht betrachten, wohl aber den Aufbau der Kapazitäten. Die Marktsättigung (saturierter Markt) hat einen dramatischen Wandel im Verlauf zur Folge.
( Siehe...)

Innovationszyklus: Produktion und Absatz im Verlauf (Phasen A–H).

Wir können uns diesen typischen Verlauf derzeit für die Handybranche vorstellen (Stand Januar 2002). Die Strecke AB in der Grafik beschreibt die Einführung der Innovation. Die Produktion (Kapazität) liegt über den Absatzzahlen. BC zeigt den sich beschleunigenden Erfolg der Innovation. In der dargestellten Rasanz der Entwicklung ist zunächst ein unter, mit zunehmender Dynamik ein übersteuerter Kapazitätsaufbau sichtbar. Die Entwicklung kulminiert in der Strecke CD, der Marktsättigung, in der sich weitere Kapazitäten im Aufbau befinden. Damit ist die Erstausstattung des Marktes abgeschlossen.

Der Abschwung (DE) ist unvermeidlich, da aus Überkapazitäten und Lagerbeständen abverkauft werden muß. Die Kapazitäten und Kosten müssen reduziert werden (EF) bis die Phase des Einpendelns (FG) erreicht wird. Da diese Phase von unbestimmter Dauer sein kann, wurden hier durchbrochene Linien benutzt. Mit diesem Bereich beginnt sich der Absatz nach Ersatzbeschaffung und nur noch mäßig wachsendem oder schrumpfendem Neubedarf auszurichten.

In der Auslaufphase (GH) gibt es drei Möglichkeiten. Entweder hat sich die Innovation als so wichtig und unersetzbar herausgestellt, dass auch weiterhin (wenn auch langsamer) wachsende Märkte denkbar sind (im Falle Handy könnte dies bedeuten, dass Handys auf ewig im Einsatz bleiben werden, lediglich ersetzt durch neue Modellreihen). Oder eine Stagnation mit dauerhafter Querbewegung. Die dritte Möglichkeit ist bei den meisten Innovationen die wahrscheinlichste: Durch jüngere Innovationen werden alte verdrängt, schrumpfen und sterben eines Tages im Extremfall ganz ab (im Falle Handy würde dies bedeuten, dass eines Tages die Kommunikation auf ein ganz anderes Medium verlegt oder von diesen absorbiert würde).

Bei dieser quantitativen Betrachtung kommen wir zu der zwangsläufigen Schlußfolgerung “Boomstärke=Ernüchterungspotenzial”. Statistiker sagen hierzu “Regression zum Mittelwert”. Dabei stellen wir zwei Graphen mit schwächerem und mit volatilerem Verlauf einander gegenüber.
( Siehe...)

Zwei aufeinanderfolgende Innovationszyklen (A und B).

Idealer Weise ergänzen sich Innovationszyklen, indem sie nacheinander erfolgen. Die konjunkturstärkende Wirkung einer nachfolgenden Innovation kann die Folgen der Ernüchterung bei der vorangegangenen mindern.
( Siehe...)

Optimale, gestaffelte Innovationszyklen.

Im Verlauf der Jahre 1998 bis 2000 erlebten wir den umgekehrten Fall. Die
Bei Computern und Servern wurde eine Boomphase durch den Internethype ausgelöst. Gleichzeitig erreichte der Handy-Absatz in Europa durch Geräte-Subventionierung der Netzbetreiber im Wettkampf um Kunden einen Höhepunkt. Die Marktsättigung wurde daher schneller erreicht, als es bei normalem Verlauf der Fall gewesen wäre. Beide sich überlagernde Zyklen hätten schon zu heftigen Verwerfungen geführt. Erschwerend trat gleichzeitig eine massenpsychotische Erwartung an die Telekommunikation auf.
Und damit nicht genug: Durch den allgemeinen Überschwang wurde aus den Strukturverbesserungen (Produktivitätsgewinne durch das Internet und darauf begründete vermeintliche Synergie-Effekte) das Freizeitverhalten und der Konsum von Medienerzeugnissen hoch gerechnet, mit der Folge eines Booms bei Filmrechten und entsprechenden Unternehmenswerten. Dieser Zeitraum illustriert bestens sowohl das Ineinandergreifen als auch die gegenseitige Förderung einzelner Zyklen. Allein das Volumen, was der Internet-Hype nach sich gezogen hat, ist beachtlich. Der ausgeübte Einfluss auf andere Branchen ist markant. In diesen vier Bereichen nebst den entsprechenden Zulieferern wurden Überinvestitionen aufgebaut, die nach dem Platzen der Internetblase (März 2000) selbst bis Herbst 2001 nur ungenügend abgebaut werden konnten. Zu diesem Zeitpunkt sprach man von einer Überinvestitionskrise.

Als die Investitionen der Netzbetreiber in UMTS-Lizenzen im nachhinein als übertrieben eingestuft wurden und der Glaube an den Nutzen dieser Technologie verloren ging, schlug die Stimmung schnell um. Wir sehen deutlich die Überlagerung von drei Innovationszyklen, deren gleichzeitig eintretende Ernüchterungsphase die heftigen Einbrüche an den Finanzmärkten, aber durch den Einfluß auf die Zulieferkette auch in der weltweiten Konjunktur erklärt.

Die Qualität der Innovationen macht eine Unterscheidung notwendig. Untersuchungen haben gezeigt, dass Innovationen erst dann einen spürbaren Einfluß auf die Produktivität ausüben, wenn sie die Volkswirtschaft zu mindestens 50 Prozent durchdrungen haben. Dies ist allerdings eine grob vereinfachte Darstellung, denn zuvor stellt sich ein Definitionsproblem, um welche Qualität es sich dabei handelt.

Basisinnovationen zeichnen sich durch grundlegende Umwälzungen aus und legen damit Grundsteine für Folge-Innovationen, die ohne sie noch nicht denkbar waren. Immer wieder werden Eisenbahn und Dampfmaschine zu Beginn des Industriezeitalters zitiert. Häufig wird auch auf Telefon, Radio und Fernsehen hingewiesen. Dem folgt meistens der Verweis auf Computer und Internet mit Hinblick auf das angebrochene Kommunikationszeitalter.

Fast immer wird das Jahr 1948 unterschlagen, das für alle weiteren technologischen Entwicklungen viel bedeutender war, als dies allgemein gewürdigt wird. Bereits ein Jahr zuvor experimentierten die Herren John Bardeen, Walter Brattain und William Shockley mit dem Elektronenfluß in Grenzflächen verschiedener Materialien. Sie entwickelten den ersten Transistor, der als eine weitere Basistechnologie erst diverse Folge-Innovationen in der gesamten Elektronik ermöglichte. Die Funktechnik wurde revolutioniert und der “Elektronische Rechner” trat aus dem beschränkten Feld der Röhrentechnik in eine neue Welt, in der wir ihn heute als Computer bezeichnen.

Der Computer ist so eine Folgeinnovation. Er ist aber gleichzeitig Basisinnovation, weil durch ihn erst die heutigen Produktionstechniken, Rationalisierungen und auch Raumfahrt möglich wurden. Diese schwimmenden Grenzen lassen zeitlich fixierte Intervalle zweifelhaft erscheinen. Auch wenn in der Vergangenheit immer wieder Beispiele dafür zusammengestellt wurden, dass 20 Jahre ein typischer Zeitraum für eine Basisinnovation sei, so ist in der gegenwärtigen Beschleunigung der Entwicklung durchaus ein kürzerer Zeitraum denkbar. Aber ebenso kann eine längere Phase der Stagnation durch erreichen von Grenznutzen nicht ausgeschlossen werden. Diese übergeordneten Zyklen der Basisinnovation werden mit Kondratieff-Zyklen (nach dem russischen Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Dmitrijewitsch Kondratjew, 1892-1930) beschrieben und sollen Aufschwungphasen von rund 20 Jahren einleiten.

Komplementaritäts-Effekte sind ein wesentliches Merkmal innerhalb einer Innovation. Dies bedeutet, dass die Produktion (nebst Kapazität, Auslastung etc.) für Autoradios von eben der Herstellung und der Konjunktur der Automobile abhängt.

Nicht nur die Innovationszyklen und deren Überlagerungen können einen ungünstigen Einfluß auf den Konjunkturverlauf ausüben. Weiter oben haben wie bereits Branchen-, Produkt-, Konsum- und Investitionszyklen erwähnt. Es bedarf keiner großen Phantasie, um sich das Zusammentreffen verschiedener Zyklen und den positiven, synergetischen Effekt vorzustellen. Aber auch die heftigen Folgen zeitgleicher Ernüchterungsphasen sind nicht zu übersehen. Schließlich summiert sich der Abwärtstrend bei Zulieferern und begleitenden Industrien (Service, Zubehör etc.). Sie alle haben sich aufgrund der ehemaligen Wachstumsraten stärker arrangiert und müssen zurückfahren und ein Normalniveau finden.

Die Terrorwelle am 11. September 2001 in New York und Washington hatten erste direkte Auswirkungen auf die Fluglinien. Aber nicht erst der fast einwöchige Totalausfall trieb einige kleinere in den Ruin. Bereits zuvor hatten sich strukturelle Probleme durch den harten und den Margen fressenden Wettbewerb gezeigt. Die Terrorwelle war der Auslöser, aber die Ursachen lagen tiefer.

Wieder waren es Hochrechnungen von Zuwachs im Flugverkehr, die zu höheren Erwartungen bei den Flugzeugherstellern führten. Der Investitionszyklus der Branche hatte bereits vor dem 11. September bereits den Zenit überschritten, was sich in den wachsenden Schulden und den rückläufigen Margen deutlich ausdrückte. Kenner der Branche prognostizierten einen Einbruch im Branchenzyklus, der durch die Anschläge nur beschleunigt wurde.

Gleichzeitig hatte die Weltkonjunktur mit den Saturierungen bei Halbleitern, Kommunikation und Handys zu kämpfen. Diese unglücklichen Überlagerungen ließen für die Konjunktur nichts gutes ahnen. Eine Entzerrung der Zyklen, auch ein flacherer Verlauf hätten auf die Gesamtentwicklung positiv eingewirkt.

Konjunktur zeigt sich so als zyklischer Prozeß, der von dem Zusammen- oder Auseinanderlaufen von Branchen-, Produkt-, Konsum-, Investitions- und Innovationszyklen gesteuert wird. Die Abhängigkeiten voneinander und die psychologisch wie auch fundamental begründete Erwartung der Marktteilnehmer lösen Schwankungen aus, machen sie unvermeidbar.

Interessant ist eine Gedankenwelt im Verhältnis Arbeitsplätze/Zyklen, wenn wir speziell auf den Bereich Dienstleistung abzielen:

Eine etwas spezifiziertere Sichtweise der Verknüpfung von Kapital mit Arbeitsplätzen ergibt sich aus der Proportion von Subventionierungen oder Investitionen mit der Anzahl der betroffenen Arbeitsplätze. Gemeint ist folgendes:
Wenn in der deutschen Kohleförderung jährlich jeder Arbeitsplatz mit rund 65.000 EUR subventioniert wird, so liegt der Gedanke nahe, dass die Produktion genau so gut eingestellt werden kann. Mit dem Subventionsbetrag könnten die Arbeitnehmer verrented werden. Aber dies ist nur der erste Ansatz.

Investitionen in neue Arbeitsplätzelassen andere Schlüsse zu. Als Daimler-Chrysler den Ausbau seiner Produktion in Rastatt um 1000 Arbeitsplätze ankündigte (Juli 2002), stand dabei eine Investition in Höhe von 900 Millionen EUR im Raum, also 900.000 EUR für jeden Arbeitsplatz. Worauf der Gedanke hinausläuft wird sichtbar, wenn wir uns vorstellen, dass Daimler-Chrysler mit dieser Investitionssumme doppelt so viele Menschen verrenten könnte, als Arbeitsplätze geschaffen werden. (Natürlich hätte Daimler-Chrysler kein Interesse daran, es handelt sich nur um ein Denkmodell.)

Bei der Verrentung stellt sich nun die Frage, aus welchen Zinseinkünften bzw. Wertschöpfungen diese Renten zu decken wären. Der unausweichliche Zusammenhang wird deutlicher. Jeder Überschuss wie auch jede Zinszahlung muss letztendlich in der Realwirtschaft generiert werden. Das bedeutet gleichzeitig die Unmöglichkeit, alle Renten aus Kapitaleinkünften zu decken, wenn gleichzeitig die Realwirtschaft schrumpft. Um es noch klarer heraus zu arbeiten: Wenn die Realwirtschaft (nur hypothetisch natürlich) ganz wegfällt, gibt es keine Chance auf die Erwirtschaftung irgendwelcher Zinsen. Zinsen generieren sich nicht wirklich selbst, wie es der Begriff des “Zinsenszins” bei (sehr) oberflächlicher Betrachtung anzudeuten scheint.

Sinn, Zweck und Absicht von Daimler-Chrysler (hier als Synonym für alle Unternehmen, auch Staatsbetriebe), muss also nicht die Verrentung aus dem Kapital sein, sondern die Generierung von realwirtschaftlichen Überschüssen auf Basis dieses Kapitalstocks. Genau das muss auch bei der Betrachtung von staatlichen Arbeitsplätzen gelten. Dies schlägt nun eine interessante Brücke zu Dienstleistungen. Denn wenn wir Verwaltung als Dienstleistung sehen, die bezahlt werden muss, so ist die Frage nach der Kaufkraft zwingend. Woher wird die Kaufkraft generiert? Auch sie muss aus der Realwirtschaft geschöpft werde, dessen Teil schließlich auch der Dienstleistungsbereich ist*().

*(Ich verweise hier ausdrücklich auf mein A-B-C-Modell im Abschnitt Geldumlauf, was die Auswirkungen im Wirtschaftskreislauf darstellt.
In: www.econo-my.de: Geldumlauf

Hier muss die Frage anschließen: Wie hoch könnte der Anteil von Dienstleistung an der Realwirtschaft getrieben werden? Wieder nur ein Denkmodell: Nehmen wir an, dass alles Volkseinkommen nur aus Dienstleistung generiert werden sollte, wie würde die Versorgung der Bevölkerung aussehen? Sämtliche Produktion bestehend aus Gütern, Energie usw. müsste kostenlos erfolgen, und gleichzeitig müsste ein Kreislauf von bezahlten Dienstleistungen existieren, der mit seinen Überschüssen die Gesamtwirtschaft trägt. Das ist natürlich Unsinn, zeigt aber gleichzeitig, wohin ein Aufblähen der Staatsbediensteten führt.

In dem Zusammenhang mit Dienstleistungen muss stets ein weiterer Punkt berücksichtigt werden: Dienstleistung funktioniert wie ein Produkt, allerdings mit dem gravierenden Unterschied, dass sie nicht speicherbar ist. Sie wird erbracht und verschwindet im gleichen Moment. Je höher also der Dienstleistungsanteil an der gesamten Volkswirtschaft wird, desto geringer (proportional) wird der Kapitalbedarf für Vor-, Zwischen- und Endlagerung. Dies erklärt, warum als allgemein anerkannt gilt, dass konjunkturzyklische Schwankungen mehr durch Produktion, als durch Dienstleistung ausgeprägt wird.