Das Schlaraffenland-Modell

Um eines vorweg zu nehmen: Es handelt sich hier um ein reines Denkmodell ohne politische Motivation. Stellen wir uns einmal das Undenkbare vor: Die Menschen haben die Produktivität unendlich, nämlich bis zu ihrem absoluten Maximum gesteigert. Alle Produkte (und alle Dienstleistungen) werden ohne menschliches Zutun erbracht. Maschinen, Computer und Roboter leisten einfach alles.

Wer verkauft die hergestellten Produkte, also wer nimmt das Geld dafür ein? Wer kann kaufen? Wer hat die Kaufkraft aus irgendeinem Einkommen? Woher kommt Einkommen? Es handelt sich hierbei natürlich um ein Verteilungsproblem. Selbst wenn wir es für moralisch vertretbar hielten, dass die Besitzer der Produktionsstätten, der Maschinen, Computer und Roboter alle Zahlungen für ihre Produkte einstecken könnten, sie hätten schlicht keine Kunden mehr, oder zumindest nur noch extrem wenige, nämlich andere Besitzer von Produktivkapital.

Wir wissen, dass die Märkte der Entwicklungs- und Schwellenländer nur in dem Maße als Absatzmärkte interessant sind, wie dort Kaufkraft existiert. Ein riesiger latenter oder realer Bedarf, den wir ja mit Potenzial nett umschreiben, nutzt uns gar nichts, wenn es auf diesen Märkten keine Kaufkraft gibt.

Zwei Lösungen gibt es für unser Schlaraffenland-Problem: Die Beteiligung von allen Bevölkerungsteilen am Produktivvermögen oder eine Umverteilung durch eine gewaltige Besteuerung der Produkte, um dann die Steuereinnahmen auf die Gesamtbevölkerung zu verteilen, ihr also Kaufkraft zukommen zu lassen. Es gibt noch eine dritte Lösung, nämlich Geld komplett abzuschaffen.

Hier sollen keine kommunistischen Ideen betrachtet werden, sondern es ist lediglich ein Gedankenspiel, um Auswirkungen fortdauernder Steigerung der Produktivität bildhaft zu machen. Als reines Gedankenspiel ist es müßig, eine dieser Lösungen zu favorisieren. Evolutionäre Schritte werden diese im Laufe der Zeit mit mehr oder weniger schmerzhaften Begleiterscheinungen herausarbeiten.