Die Zahlung von Zinsen, sozusagen als Preis für geliehenes Geld (geliehene Leistung) verkompliziert den Vorgang. Stellen wir uns vor, dass unser steinzeitlicher Jäger über einen begrenzten Nahrungsmittelüberschuß verfügt, dem ein wesentlich größerer Bedarf in anderen Sippen gegenübersteht. Der linke Nachbar würde später mit fünf Fellen bezahlen, während der rechte sofort vier Felle geben würde. Die vier Felle stehen damit für den aktuellen Marktpreis, die fünf Felle beinhalten einen Zinsaufschlag für die Kreditierung. Je nach Versorgungslage würde unser Höhlenmenschen entscheiden, wem und wieviel Nahrungsmittel er abgibt.
Sollte ein weiterer Käufer im Zuge eines kreditierten Geschäfts bereit sein, später sogar sechs Felle zu bezahlen, so erleben wir die Entstehung eines Finanzmarktes mit, denn nun kann unser Jäger zwischen mehreren Zinsanbietern entscheiden. Umgekehrt wären natürlich auch mehrere Nahrungsmittelanbieter denkbar, die sich mit dem geforderten Zins unterbieten könnten. Wir sehen, dass zum entstehen eines solchen Zinsmarktes keineswegs eine Staatsgewalt notwendig ist. Auf dem Zinsmarkt wirken die Kräfte eines endlichen Angebotes und eines endlichen Bedarfes. Der endliche Bedarf wird heutzutage jedoch durch das Staatsgeldmonopol über die Banken und deren Refinanzierung bei der Bundesbank als Steuermechanismus der Wirtschaft benutzt. Mit Lombard- und Diskontsatz wird die Zinshöhe und im Zuge von Auktionen auch die zur Verfügung gestellte Geldmenge bestimmt. Aber zurück zu unseren Höhlenbewohnern.
In dem letzten Modell mit dem Gebot von sechs Fellen erleben wir einen Zinsauftrieb. Je höher der Zins, desto höher die notwendige Leistung zur Abgeltung. Dies bedeutet gleichzeitig eine "Abschöpfung" von Leistungskapazität, wie dies bei überschäumender Konjunktur durch Leitzinserhöhung auch tatsächlich geschieht.
Zur Zinshöhe gibt es einiges zu sagen. Wenn unser steinzeitlicher Käufer mehr Kleidung zur Kreditdeckung beibringen muß, als er tatsächlich in einem Jahr zu produzieren vermag, so sehen wir darin die begrenzte Kapazität und eine Überschuldung. Damit funktioniert dieses Kreditsystem nicht mehr, auch der Kunstgriff "Umschuldung" vertagt das Problem nur. Unser Höhlenmensch als Kreditgeber verlangt möglicherweise bei Zahlungsunfähigkeit seines Kunden nach dessen Frau, was dieser wahrscheinlich nicht sehr begrüßen wird. dieses Szenario mündet vielleicht im Kampf und mag mit der Ausrottung beider Stämme enden.
Woher stammen nun die Zinsen?
So merkwürdig diese Frage auch zunächst klingen mag, so erhält sie doch einiges Gewicht durch das Bestreben, kapitalgedeckte Verrentungen einzuführen. Den Gedanken gilt es, von einer anderen Seite her zu entwickeln. Bemühen wir das Beispiel der Subventionen für jeden Arbeitsplatz im deutschen Kohlebergbau mit 65.000 EUR pro Jahr. Wenn mit einem Teil der Subvention die Arbeitnehmer direkt verrentet würden, so bliebe noch einiges an Geld übrig.
Der nächste Gedankenschritt sagt uns, wenn Kapitalüberschuss in so großer Menge vorhanden ist, dass wir nicht nur jeden Ruheständler, sondern überhaupt jeden Bürger daraus eine Rente zahlen wollten, wo genau sollte das Kapital seine Zinsen erwirtschaften.
Wenn ein Unternehmen einen Geschäftskredit aufnimmt, so ist völlig klar, dass Zinsen und Kredit von dem ergebnis der Investition getragen werden muss. Bei einer Privatperson ist es ähnlich, nur ist die Kette geringfügig länger. Sie zahlt Kreditablösung und Zinsen mit der eigenen Arbeitskraft zurück, die eigentliche Wertschöpfung geschieht in dem Arbeit gebenden Unternehmen. Im Falle einer staatlichen Geldausgabe, die finanziert ist, verlängert sich die Kette erneut. Hier wird schließlich Ablösung und Zins aus dem Steuer- oder Abgabentopf genommen, der wiederum nur aus Ergebnissen der Realwirtschaft gefüttert werden kann.
Zinsen aus internationalen Anleihen werden von den emittierenden Staaten aus Steuern und damit aus Erträgen ihrer Volkswirtschaft aufgebracht. Wie aber verhält es sich bei einem Fond, der Überschüsse aus Spekulation mit Währungsdifferenzen erzielt und Zinszahlungen an Kapitalgeber daraus deckt? Nehmen wir dazu an, ein Erdölimporteur in Deutschland bezahlt regelmäßig seine auf US-Dollar lautenden Rechnungen, wozu er Euro in Dollar tauschen muss. Bei einem Kursverhältnis von 1:1, also der Parität, bringt er 1 Million Euro für seine Millionenrechnung Dollar auf.
Wenn sich ein paar Wochen später der Euro abgeschwächt hat (für 100 Dollar sind nunmehr 110 Euro aufzubringen), so verteuert sich auf dem Deutschen Markt das Rohöl um zehn Prozent, obwohl der Weltmarktpreis absolut gleich geblieben ist, denn diese Importrechnung lautete wie früher über genau eine Million Dollar. Gleichzeitig mag ein Devisenspekulant mit dem Handel von Euro und Dollar Geld verdient haben. Dieses stammt letztendlich von jenen, die Devisen tatsächlich in diesem Zeitraum zur Deckung von Importen benötigten. Die Preisbildung des Außenhandels füttert damit die von Devisenspekulanten abgegriffenen Differenzen, so dass auch in diesem Beispiel wieder Zinsen am Ende der Kette von der Realwirtschaft generiert werden müssen.
Egal wie weit wir den Weg von Zinsen verfolgen, wir landen (mit einer Ausnahme) in jedem Fall bei Überschüssen, die von der Realwirtschaft erarbeitet werden. Also ist bei jedem Gedanken, der sich mit vorhandenem Vermögen und den darus resultirenden Zinsen befasst, die Frage zu stellen, ob die Realwirtschaft diese Zinsen erwirtschaften kann. Die schiere Existenz von Kapital erbringt keine Zinsen, sondern nur die Nutzung in einer Form, die nachfolgend realwirtschaftliche Überschüsse erwirtschaften lässt. Insofern muss bei staatlichen Förderprogrammen die für einen Konjunkturaufschwung aufgelegt werden, immer sichergestellt werden, dass die Überschüsse der damit in Gang gesetzten Wirtschaftskraft den Zins der Staatsfinanzierung übersteigt.
Was aber ist die oben erwähnte Ausnahme, die Zinsen generiert? Wir haben festgestellt, dass jemand der für sein Haus eine Hypothek aufnimmt, später dafür Arbeitsleistung erbringen muss, um die Zinsen decken zu können. Vielen Häusle-Bauern fällt nun im Laufe der vielen Jahre das Abtragen der Zinsen leichter. Die leichte, aber relativ konstante Inflation lässt das Einkommen dieses exemplarischen Angestellten steigen, während die Schuldsumme sich nicht erhöht. Der Wert des Hauses mag stagnieren, steigen oder fallen, der Zinsabtrag für diesen langfristigen Kredit fällt durch die Inflation leichter, obwohl nach wie vor die Zahlung des Zinses aus dem realwirtschaftlichen Überschuss (ein Teil des abzusparenden Einkommens) erbracht wird. Ein Teil dieser Zinsen wird also durch die Inflation geboren, wenngleich auf der Ertragsseite des Kapitals die Bruttorendite um die Inflationsrate bereinigt wird. In der Betrachtung der Nettorendite wird dieser Effekt also aufgehoben.