Adam Smith hat bereits die Möglichkeit in seine Betrachtungen einbezogen, dass eines Tages ein stationärer Endzustand erreicht sein könnte. In heutigen Betrachtungen wird dieser Gedankengang von einigen Wissenschaftlern der Soziologie weitergeführt bis zu Exrempositionen, die von der überwiegenden Mehrheit abgelehnt und als "skurril" eingestuft wird.
In dem später folgenden Abschnitt "Mit Volldampf ohne Bremse" werden Grenzbereiche und Grenzüberschreitungen dargestellt. Die Parallelität einzelner Aspekte und ein verzahntes Ineinandergreifen von Argumenten lassen uns eine Darstellung trotz der erwähnten Skurrilität notwendig erscheinen. Dies geschieht auch in Erwartung neuerer Wirtschaftstheorien.
Der Professor empirischer Sozialforschung an der Universität Bamberg Gerhard Schulze beschreibt die Möglichkeit eines Endzustandes, in dem alles Machbare getan, alles Erforschbare erforscht und alles Entwickelbare entwickelt ist *().
- - - - - - - - - - *(Schulze, Gerhard, Aufsatz "Steigerung und Ankunft. Über die Endlichkeit des Fortschritts" in
- - - - - - - - - - Pierer, Heinrich von (Hg.) / Oetinger, Bolko von (Hg.): "Wie kommt das Neue in die Welt?", Rowohlt 1999)
Schulze hängt diese These unter anderem an dem Beispiel heute üblicher Rasierapparate auf, die zu einem Endzustand entwickelt wurden, in dem es funktionell einfach nicht besser geht. Lediglich Designunterschiede können in diesem Stadium noch für "Neuerung" sorgen, so dass keine weitere Innovation auf diesem Feld mehr zu erwarten ist. (Abgesehen davon, dass unsere Nachfahren vielleicht eines Tages von entsprechenden Apparaturen bereits vor dem Aufstehen im Bett durch Ultraschall oder andere, heute noch unbekannte Technologien gereinigt werden, und damit auch eine andere Technologie des Rasierens denkbar erscheint, ist dieses Beispiel einfach symbolisch und stellvertretend für "Endzustand" gemeint).
Schulze benennt das Steigerungsspiel, das nicht endlos durchgehalten werden kann. Als Beispiel wird eine gewisse Endlichkeit der Informationsressourcen angeführt. Es wird die Geographie genannt, die sich mit genauesten Vermessungsmethoden aus dem Weltraum heraus erschöpft, zumindest was die Erde angeht. Daraus wird die Möglichkeit abgeleitet, dass sich auch Aufgaben anderer Bereiche der wissenschaftlichen Erforschung erschöpfen könnten, obwohl wir uns dies natürlich heute kaum vorzustellen vermögen. Unkenntnis wird als Informationsressource eingestuft. Kann die Spezies Mensch jemals alles wissen und kennen?
Schulze denkt im Zuge eines sich erschöpfenden Zielvorrats auch über eine Begrenztheit von Invarianzen nach. Als Invarianzen werden "Naturgesetze", "Strukturen" und "Wahrscheinlichkeiten" genannt, welche überhaupt erst eine Basis für jegliche Wissenschaft abgeben. Mit der Invarianz "Naturgesetze" ergibt sich für wissenschaftliche Tätigkeit die Aufgabe, alle Naturgesetze zu erforschen, die es gibt. Wenn keine weiteren Naturgesetze gefunden werden, ist diese Invarianz ausgeschöpft. Wenn also auch Strukturen und Wahrscheinlichkeiten bis zum letzten ausgeforscht sind und der Menschheit keine weiteren Invarianzen einfallen, so wäre ein Ende des Zielvorrates für die Wissenschaft erreicht.
In der Minderbedeutung der Landwirtschaft, der Industrieproduktion und in der Rationalisierung nun auch im Dienstleistungsbereich werden Anzeichen für den Übergang in eine Endrunde des Steigerungsspiels gesehen. Deutlichster Ausdruck soll danach der international desolate Arbeitsmarkt sein. Immerhin wird eingeräumt, dass die Humandienstleistung ein nahezu unerschöpfliches Zielreservoir bietet.
Probleme, welche die Welt sich mit seiner Fortentwicklung einhandelt, sind eine willkommene Ausweitung der Zielressourcen. So gesehen ergeben sich neue Wirkungsbereiche wie von selbst. Von der Extremposition wird dies lediglich mit dem Hinweis auch auf das Ende einer solchen Phase von Problemlösungen heruntergespielt. Ein Einwand hinsichtlich des wachsenden Armutsgefälles in der Welt, was ja gleichzeitig weiteres Zielpotential bedeutet, wird mit der durch die Globalisierung hervorgerufenen Beschleunigung des Steigerungsspieles behandelt. Das Argument ist ein weiterer Kaufkraftverlust weltweit. Hier wird nun allerdings versucht, das Zielpotential Armutsgefälle mit einer Ausweitung der Armut wegzuargumentieren. Das Zielpotential bleibt natürlich erst recht, es ist sogar größer geworden, nur ist es bis zu diesem Punkt sicher nicht korrekt behandelt worden.
Ein Prozeß, der uns diesem Ziel näher bringen wird, läuft parallel zu dem Steigerungsspiel ab und wird möglicherweise an Bedeutung gewinnen. Es ist ein verstärktes Kreislaufdenken, der vielleicht eines Tages das Steigerungsspiel ganz ablösen wird. Alles in allem entfernen sich doch die meisten Wissenschaftler heute von dem Gleichsetzen des Fortschritts mit endloser Steigerung oder auch reiner Technologieentwicklung. Wir werden in der evolutionstheoretischen Wirtschaftswissenschaft darauf zurückkommen.